Neuerscheinungen Sommer 2011

Franz Kafka (1883-1924)

Band I: Der Verschollene

Herausgegeben und kommentiert von Wilko Steffens.

Karl Roßmann wird mit siebzehn Jahren nach Amerika geschickt, weil er infolge der Verführung durch ein Dienstmädchen unfreiwilliger Vater eines Kindes geworden ist. Der aus Prag stammende junge Mann trifft in New York auf eine Welt, die ihm vollkommen fremd ist, die ihn fasziniert, anzieht, gleichzeitig abstößt, und die nie seine eigene wird. Auf der Suche nach einer Heimat in der Fremde hat er mannigfaltige Abenteuer zu bestehen, die ihn als Liftjungen ins ›Hotel occidental‹, als Diener in den Haushalt einer übergewichtigen Opernsängerin und schließlich als Schauspieler ins sagenhafte ›Teater in Oklahama‹ führen.
Karls Versuch der Selbstsituierung spiegelt dabei den heutzutage jedem vertrauten Kampf um Individualität in einer modernen Gesellschaft, die den Wert einer Person nach ihrer Leistung im ökonomischen Getriebe bemisst. Nicht zuletzt aufgrund der Darstellung dieses allgemeingültigen Schicksals ist Der Verschollene zu einem der wichtigsten Romane der Moderne avanciert.

Band II: Der Proceß

Herausgegeben und kommentiert von Wilko Steffens.

Der Bankangestellte Josef K. wird am Morgen seines dreißigsten Geburtstags verhaftet, ›ohne dass er etwas Böses getan hätte‹. Als er versucht den Grund für seine Verhaftung in Erfahrung zu bringen, verstrickt er sich immer tiefer in einen Kampf mit einem anonymen Gegner, dessen Schergen überall lauern, dessen Gesetze aber vollkommen undurchdringlich scheinen.
Im Proceß, Kafkas zweitem Romanfragment, geht es um die Frage der Schuld, der Gerechtigkeit, der Macht und der Selbstbestimmung des Einzelnen in einer durch und durch bürokratischen Welt:
»Die untersten Richter nämlich, zu denen meine Bekannten gehören, haben nicht das Recht endgiltig freizusprechen, dieses Recht hat nur das oberste, für Sie, für mich und für uns alle ganz unerreichbare Gericht. Wie es dort aussieht wissen wir nicht und wollen wir nebenbei gesagt auch nicht wissen.«